Liebe Schwester, lieber Bruder,
Der erste richtige Winter meines Lebens in Bremen hat mich begeistert. Schnee fiel in dicken Flocken, alles wurde still und hell. Meine Frau und ich waren mit den Kindern draußen, wir sind gerodelt, haben Schneemänner gebaut und das Knirschen des Schnees unter den Schuhen genossen. Winter ist meine Lieblingsjahreszeit. Ich liebe diese klare Luft, das Funkeln des Schnees und die besondere Ruhe, die über allem liegt. Und doch kam irgendwann der Moment, an dem ich genug davon hatte. Die Kälte kroch in die Knochen, die Tage blieben kurz und das Grau wurde schwer. Ich begann mich nach Wärme und Farben zu sehnen.
Egal, welche Jahreszeit wir bevorzugen: Wir können den Wechsel nicht aufhalten. Auf den Winter folgt der Frühling, auf die Dunkelheit wieder Licht. Dieser Rhythmus gehört zum Leben. Und ähnlich ist es auch in unserem Inneren. Unsere Stimmungen wechseln. Es gibt Zeiten voller Freude und Leichtigkeit, in denen uns alles gelingt. Und es gibt Phasen, die sich kalt und mühsam anfühlen. Manchmal erleben wir Aufbruch und Wachstum, manchmal Stillstand und Erschöpfung. Alles hat seine Zeit, und jede Zeit prägt uns.
Vielleicht ist es kein Zufall, dass wir Ostern im Frühling feiern, darüber bin ich froh. Wenn die Natur neu erwacht, wenn Knospen aufbrechen und das Leben sichtbar zurückkehrt, passt das wunderbar zur Botschaft von Ostern. Nach den kahlen Monaten zeigt sich plötzlich neues Grün. Was tot und erstarrt schien, beginnt wieder zu leben.
Genau davon erzählt Ostern: von neuem Leben, das Gott schenkt. Die Auferstehung Jesu ist ein kraftvolles Zeichen dafür, dass das Leben stärker ist als der Tod und die Hoffnung größer als jede Dunkelheit.
Auch in unserem persönlichen Leben gibt es Zeiten, die sich wie Winter anfühlen. Sorgen, Verluste oder Unsicherheiten können uns belasten. Manchmal scheint alles stillzustehen. Doch Ostern erinnert uns daran, dass Gott auch in solchen Zeiten wirkt. So wie unter der gefrorenen Erde bereits neues Leben wächst, arbeitet Gottes Hoffnung oft verborgen in uns. Wir sehen sie vielleicht noch nicht aber sie ist da.
Unsere Gefühle mögen schwanken wie die Jahreszeiten. Manches vergeht: Winter und Frühling, Freude und Traurigkeit. Doch mitten in all diesen Veränderungen gibt es eine Konstante: Gott Seine Liebe bleibt. Die Auferstehung seines Sohnes ist kein flüchtiger Moment der Geschichte, sondern ein Versprechen, das bis heute trägt, das entnehmen wir Seinem Wort.
Ostern lädt uns ein, dieser Zusage neu zu vertrauen. Es ist ein Fest der Hoffnung, das uns ermutigt, nach vorne zu schauen. So wie nach jedem Winter wieder Frühling kommt, so steht über unserem Leben das Versprechen von neuem Leben bei Gott. Diese Hoffnung schenkt Kraft für den Alltag. Sie trägt uns im Hellen wie im Dunklen und erinnert uns daran, dass wir nie allein sind.
Ich freue mich jedes Jahr über die ersten warmen Sonnenstrahlen und das frische Grün des Frühlings. Sie sind für mich ein kleines Gleichnis für Ostern: Gott schafft Neues. Er bringt Leben hervor, wo wir es kaum erwarten. Möge die Osterzeit uns allen neue Zuversicht schenken und unsere Herzen mit Hoffnung erfüllen.
Herzlichst Euer Pastor Andreas Hamburg

